Die Gletscher-Uhren
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GLAMOS — das Gletschermonitoring der Schweiz — verfolgt den Gletscherrückgang mit ausserordentlicher Präzision. Am Morteratsch zeigen Distanzmarker den Wanderern den Verlust jedes Jahres. Ein Spaziergang vom Parkplatz zur Gletscherzunge ist ein Gang durch Jahrzehnte der Vermessung.
Der Schweizer Instinkt zu messen, zu protokollieren und abzulegen ersetzt den Instinkt zur Panik. Das Monitoring ist die Komplizenschaft.
Man kann die Distanzmarker auch anders lesen: nicht als Verlustbilanz, sondern als Fortschrittsmarker. Jemandes Projektzeitplan, dargestellt in schmelzendem Eis.
Der Aletschgletscher — der grösste der Alpen — hat seit der Kleinen Eiszeit 3,5 Kilometer verloren. Das Eisfeld am Konkordiaplatz sinkt um Meter pro Jahr. MeteoSchweiz dokumentiert es. GLAMOS dokumentiert es. Die Daten sind präzise, öffentlich zugänglich, in Formaten abgelegt, die mit europäischen Klimadatenbanken interoperieren.
Niemand versteckt irgendetwas. Das ist der Punkt. Die Zisterziensermönche, die dreihundert Jahre lang im Thurgau Wasserrechte verwalteten, haben auch nicht versteckt, was sie taten. Sie haben abgelegt, was sie taten. Und alle waren einverstanden, dass es ordnungsgemäss abgelegt war.
Eine Gondelbahn bringt einen mühelos zum Bettmerhorn-Aussichtspunkt, wo man der Katastrophe zuschauen kann. Der mechanische Aufstieg zur Betrachtung der planetaren Transformation ist so reibungslos und gepflegt wie alles andere in diesem Land.